Mongolei – Trip

Tag 1: Terelj Nationalpark

Der erste Tag unserer Tour startete gleich ereignisreich: nachdem wir kurz einen Schildkrötenfelsen besichtigt hatten (Felsen der aussieht wie eine Schildkröte) wurden wir direkt mal auf kleine Mongolische Pferde gesetzt (alle mongolischen Pferde sind klein, da sie ja Mongolen sind) und erlebten einen durchaus denkwürdigen Ritt (beide waren wir nicht unbedingt Helden darin, unseren Pferden klarzumachen, dass sie doch bitte eher nicht unter einem tiefhängenden Ast oder den wirklich ziemlich steilen(!) Hang NEBEN dem Weg laufen sollen) zu einer Art Kloster bzw. Gebetsraum für buddhistische Mönche. Dieses war noch relativ jung (2008 erbaut). Danach gings noch kurz zur größten Dschingis Khaan Statue der Welt (40m), in deren Innerem sich der größte Schuh der Welt – und den Abend und die Nacht verbrachten wir bei einer kasachischen Nomadenfamilie in einem Ger (=Jute). Jedes Zelt hat einen kleinen Ofen in der Mitte und so werden sie wirklich gemütlich warm und sind sehr angenehm zum schlafen.

Und obwohl wir uns noch in einer der Randprovinzen von Ulan Bator befanden, fühlte (und hörte) es sich an, als wären wir mitten im Nichts.

Tag 2: Baga Gazariin Chuluu

So actiongeladen wie der erste Tag war, so unaufgeregt ging sich der zweite an. Nachdem wir mehrmalige Verzögerungen und ein paar Stunden Wartezeit beim Aufbruch hatten, fuhren wir ca. 300 km (Tempolimit in der Mongolei: 80 km/h) um ein verstecktes Kloster und dann von den Russen entdecktes und zerstörtes Kloster und eine kleine, eher unspektakuläre Höhle in der Wüste Gobi anzuschauen. Hier übernachteten wir auch, und zwar in einem Ger-Camp – also quasi eine Art Hostel bestehend aus den Nomadenzelten. Die Wüste besteht aus grüner Steppe und Felslandschaft und ist wirklich wunderschön anzuschauen, vor allem, wenn man auf einen der Felsen klettert und so einen weiten Ausblick hat.

3. Tag: Tsagaan Suvarga – Yoliin Am

Da wir am dritten Tag (nochmal) relativ viel ungeplante Wartezeit hatten, da wir den Fahrer wechselten, die Verständigung wann und wo unsere Übergabe stattfinden sollte, jedoch durch nicht vorhandenes Handynetz durchaus etwas erschwert wurde, schafften wir leider nicht alles, was für den Tag auf dem Plan stand und verbrachten ihn hauptsächlich im Auto. Einen Zwischenstopp legten wir jedoch ein, und der lohnte sich wirklich: Die weißen Stupas, eine kleine Hügellandschaft, von der aus man die endlose Steppe der Mongolei sehen kann.

Tag 4: Khongor Sanddünen

Nachdem wir zwei Tage mit relativ viel holperiger Autofahrt verbracht hatten, häuften sich die Ereignisse am nächsten Tag geradezu. Gleich am Morgen wanderten wir zwei Stunden durch ein Tal inmitten eines Nationalparks, das „Bärtige-Geier-Tal“. Die Geier sind zwar aufgrund der Touristen, die ins Tal strömen um sich Geier anzuschauen, nicht mehr da, aber rein theoretisch könnte man auch viele andere Tiere dort sehen (Schneeleoparden, Wildpferde, Ziegen, verschiedene Vögel usw.), leider haben die sich aber auch vor uns versteckt. Trotzdem ist das schmale Tal, durch das sich ein Fluss schlängelt, einen Spaziergang wert. Der Fluss war außerdem bis vor wenigen Jahren an einigen Stellen ein ewig vereister, denn in einigen Teilen der Schlucht bleibt es auch im Hochsommer noch kalt. Inzwischen ist er nur noch bis Juli gefroren und taut dann auf (vermutlich Erderwärmung). Danach ging’s noch in das zum Nationalpark gehörige Museum und dann weiter Richtung Süden. Dort gab’s eine Stunde Kamelreiten zur Höchsten Wanderdüne dort (auch „singende Düne“ genannt), die wir erklommen um und den Sonnenuntergang reinzuziehen und dann mit Schlitten die gesamten 300 Meter wieder runterzuboarden, wofür sich der durchaus anstrengende Aufstieg dann auch gelohnt hatte. Und dann am Abend folgte der Höhepunkt: eine Dusche!

Tag 5: Bayanzag – Ongi Kloster

Nach solch einem ereignisreichen Tag wurde es dringend wieder Zeit für ein bisschen Langeweile – also setzten wir uns mal wieder eine lange Weile ins Auto. Es gab wieder nur einen Zwischenstopp, der sich diesmal allerdings nicht so sehr lohnte. Die „flammenden Felsen“ sehen wohl im Sonnenuntergang aus wie ein riesiges Feuer in der Wüste, leider waren wir aber am Mittag da. Interessant sind sie aber vor allem, weil hier eine Vielzahl von Dinosauriereiern gefunden wurde – die ersten Dinofunde überhaupt. Die Mongolen damals hielten sie (unter dem damaligen buddhistischen Einfluss) für Dracheneier und maßen Ihnen keine große Bedeutung zu. Also verscherbelten sie sie zum Preis von zwei Autos an einem Amerikaner und heute sind sie alle außer Landes. Am Abend besuchten wir noch eine Klosterruine und dann gabs noch ein bisschen Regen der durchs Zeltdach tropfte.

Tag 6: Nomadenfamilie

Zu unserer immensen Freude durften wir (wie jeden Tag) um sieben frühstücken und zu unserer immensen Freude verzögerte sich unsere Abfahrt (wie jeden Tag), diesmal sogar um eine ganze Stunde. Was unserer immensen Freude dann die Freudenkrone aufsetzte, war, dass wir um ca. 12:30 am Zielort ankamen, und zwar in einer Nomadenfamilie deren traditionelle Lebensart wir erfahren sollten. Relativ schnell stellte sich jedoch heraus, dass dies wohl die untraditionellste Nomadenfamilie im ganzen Umkreis war und dass quasi jedes Ger-Camp in dem wir die vergangenen Tage waren, trasditioneller lebte. Von Tieren weit und breit keine Spur, lediglich etwa zwanzig Pferdeschädel fanden hinter einem kleinen Hügel hinter dem Haus. Die Familie hatte sich kurzerhand ein kleines Haus neben ihr Zelt gestellt, in dem sie nun wohnen, während die Touristen im „Wohnzimmer-Küchen“-Zelt auf dem Boden schlafen dürfen.

Vermutlich aber nur in den drei Sommermonaten in denen auch Ferien sind, denn die Mutter ist Physiklehrerin in der Stadt und lebte ebenso wie wir aus einer Reisetasche.

Glücklicherweise waren wir in aller Herrgottsfrühe aufgestanden um dorthinzufahren, denn hier gab es allerhand ereignisreiche Dinge zu tun: schlafen, herumlaufen oder… sitzen zum Beispiel. Hier verbrachten wir also den letzten Tag unserer Tour. Am nächsten Vormittag wurden wir nicht wie geplant von unserem Tourbusfahrer sondern von der „Nomadenfamilie“, die auf dem Weg in die Hauptstadt war, zum Bus gebracht. In letzter Minute (bzw. zwei Minuten zu spät, der Bus stand aber noch da) und nicht ohne vorher noch bei zwei anderen Familien im Ger vorbeizuschauen um dort den „Tee“ zu trinken, den man in der Mongolei ständig serviert bekommt und bei dem es sich um eine Mischung aus etwa gleichen Teilen schwarzem Tee und Milch handelt, der aber meist SEHR salzig schmeckt und eine Schale Fleisch mit diversen Innereien zu genießen. Nachdem wir also den Schock überwunden hatten, der sich bei der Vorstellung, den Bus zu verpassen, eingestellt hatte, fahren wir nun wieder nach Ulan Bator zurück. Dort haben wir heute noch einen Abend, dann geht es morgen früh in den Zug nach Peking, in dem wir ungefähr 30 Stunden verbringen werden. Trotzdem sind wir schon ganz aufgeregt, denn d fahren wir das erste und einzige Mal 1. Klasse!

11. Etappe: Ulan Bator und die Mongolei

Es soll ja Leute geben, die sich die Mongolei als eine riesige Wiese mit einem Ponny darauf vorstellen. Nun muss man sagen, diese Leute haben nicht unrecht. Die Mongolei ist eine riesige Wiese – möglicherweise sind hier und da noch ein paar mehr Ponnys zu finden, die eigentlich gar keine Ponnys, sondern mongolische Pferde sind. Sie sind kleiner und stämmiger als die Pferde bei uns und es ist noch eine gute Portion Wildpferd in ihnen.

Außerdem merkt man den Mongolen durchaus an, dass Sie ein Nomadenvolk waren und sind. In den Städten außerhalb von Ulan Bator gibt es noch jede Menge Menschen, die in Jurten leben, in den Randbezirken von Ulan-Bator auch und auf dem Land, also der riesigen Wiese, sowieso.

Überall sieht man Herden von Pferden, Schafen, Ziegen, Kühen und Kamelen, denn die Hirtenfamilien lassen Sie einfach laufen, wenn Sie gemolken werden oder Wasser wollen, kommen Sie am Abend schon zurück.

Die Küche ist sehr gut aber leider für den mitteleuropäischen Magen schon nach kurzer Zeit sehr anstrengend, denn sie besteht aus sehr, sehr viel Fleisch und Milchprodukten (die meistens in die säuerliche Richtung gehen) und nur wenig Gemüse, denn in der Mongolei selbst wächst neben Karotten, Kartoffeln und Zwiebeln nicht wirklich viel. Alles andere muss importiert werden.

Trotzdem findet man in den Supermärkten überraschenderweise ungefähr das halbe Edekasortiment (gut und günstig steht hier hoch im Kurs und in den Regalen) und in der Stadt auch in Restaurants was das Herz begehrt.

Die Menschen an sich sind eher praktisch veranlagt und nicht besonders förmlich, trotzdem nett und seitdem sie vor 30 Jahren eine Demokratie wurden, gibt es auch immer mehr, die englisch sprechen. Wir konnten uns fast immer verständigen, ein paar Brocken haben alle zusammenbekommen, die jüngeren sprechen oft auch sehr gut.

Sonst auffällig waren für uns die Autos – in Ulan-Bator ist wirklich viel Verkehr und man hat das Gefühl, er besteht fast nur aus Toyota Prius und einigen Hondas, fast alle Autos sind Hybriden und es gibt eher weniger klapprige Schrottkisten.

Die Währung ist Tugreg, man darf sie weder ein- noch ausführen und 1€ sind ca. 3000 Tugreg. Was zu riesigen Geldstapeln und irrwitzigen Preisen führt (gerade sind wir an einem Auto vorbeigekommen, das kostet ca. 90 Millionen). Interessanterweise gibt es aber durchaus auch ganz kleine Tugreg-Scheine, nämlich 10 und 20. Die sollen wohl schon seit einer Weile abgeschafft werden weil sie wirklich ziemlich unsinnig sind, aber da wir einige besitzen, gehen wir davon aus dass Sie noch im Umlauf sind.

Außerdem ziemlich lustig ist ein mongolisches Begrüßungsritual, vor allem unter Männern: jeder Mann hat einen kleinen Flakon, meist aus (Edel)Stein gemacht und oft ein Erbstück, das mit Schnupftabak gefüllt ist. Zur Begrüßung wird einem dieses Fläschchen gereicht und man muss daran schnuppern, es dann dem nächsten Gast zu seiner rechten weiterreichen usw., eventuell bekommt man auch vom Schnupftabak angeboten und darf dann probieren.

Jedes mongolische Kind lernt reiten und für das „Gott“ im Ausdruck „Oh Gott!“ benutzen sie das Wort „Dschingis“, denn der gute Mann, der neun Ehefrauen (und evtl. noch ein paar andere nebenher) hatte, hat eine unglaubliche Anzahl an Kindern in die Welt gesetzt und scheinbar können etwa 200.000 Mongolen (von insgesamt drei Millionen) ihre Abstammung heute noch direkt auf ihn zurückführen.

Tschüssi Russland, Hallihallo Mongolei – Zugfahrt und Grenze

Seit gestern sind wir nun in der Mongolei angekommen und nun können wir wohl auch nicht länger verhehlen, dass wir Transmongolische und eben nicht Transsibirische Eisenbahn fahren.

Wir teilten uns unser Zugabteil (eine der beiden Fahrten, die wir in der 2. Klasse hatten – hier tatsächlich aus dem Grund, dass wir keine andere buchen konnten) mit zwei älteren Herren aus den Niederlanden. Die beiden sind gerade dabei, kreuz und quer durch die Welt zu fahren und waren wohl in den letzten Jahren schon so ziemlich überall.

Auch sonst fanden wir uns plötzlich inmitten eines Haufens von Ausländern wieder – hauptsächlich noch mehr Holländer, aber auch ein paar Deutsche u.v.m. war anwesend.

Wir hatten uns vorher schon gedacht dass die zweite Klasse wohl eher von Nichtrussen gebucht wird, aber in diesem Fall wurde wohl noch etwas sorgfältiger als sonst sortiert, denn dieses Mal fuhren wir ja über die Grenze.

Das funktioniert hier so, dass eine Stunde vorher die Klos abgesperrt werden und niemand mehr den Zug verlassen darf; sowohl der Zoll als auch die Grenzkontrollen laufen dann durch den Zug, stellen alles auf den Kopf, sammeln die Pässe ein, verteilen Stempel und checken die Visa. Wenn der gesamte Zug fertig ist, fährt man weiter – ungefähr eine halbe Stunde, denn dann wiederholt sich das ganze noch einmal – auf der mongolischen Seite der Grenze, mit mongolischem statt russischen Personal.

Insgesamt dauerte das ganze bei uns etwa 4-5 Stunden. Da sollte man keine schwache Blase haben.

Bei uns war der Zoll auch sehr zahm, gelesen haben wir aber dass das bei Westeuropäern eher normal ist, man geht hier weniger von Schmugglern aus. Einheimische werden wohl gründlicher gefilzt und das kann den ganzen Zug schon mal eine Weile aufhalten.

Wir kamen jedoch wohlbehalten mit fast einer Stunde Verspätung am nächsten Morgen kurz vor sieben in Ulan Bator an und wurden Gott sei Dank von einem Fahrer unseres Guesthouses abgeholt. In Russland hatten wir nämlich dank fast an jeder Ecke verfügbaren W-Lans mit Googlemaps immer recht problemlos unseren Weg und sehr schnell die beste Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwohin zu kommen, finden können.

Seit dem wir allerdings in Sibirien angekommen sind, hat uns das allmächtige Google im Stich gelassen. Entweder es gibt keine oder komplett falsche, grottige Daten. Die Allwissenheit verliert sich wohl irgendwo da, wo auch der McDonalds-Äquator verläuft, denn auch der hat es einfach noch nicht bis hierher geschafft.

Morgen machen wir uns auf ins Umland von Ulan Bator, denn die Stadt an sich ist nicht das Interessante an der Mongolei – sondern das, was darum herum liegt. Nationalparks, Gebirge und die Wüste Gobi.

10. Etappe: Ulan Ude. Endlich. Wir haben ihn gefunden.

Was wussten wir bisher von Ulan Ude? Naja, ein junger Russe, den wir im Zug getroffen hatten und dem wir von unseren Reiseplänen erzählt hatten, brach in ein lang anhaltendes, lautes Klagen aus („Noooo! No, no, no, no, nooooooooo! Not Ulan Ude, noooooo!!“). Und: hier steht er. Der größte Leninkopf der Welt.

Johannes am Ziel seiner Träume. Fast acht Meter ist er hoch, vierzig Tonnen schwer

und steht zusätzlich noch auf einem ziemlich hohen Steinsockel.

Da wir nur einen Abend in Ulan Ude hatten, war das tatsächlich neben etwas zu essen und einem kurzen Spaziergang durch die Stadt die einzige atemberaubende Erfahrung, die wir hier gemacht haben.

Wobei… um ehrlich zu sein, war da eben zum einen noch die halbe Stunde, in der wir drei jungen Kellnerinnen unentwegt die Schamesröte ins Gesicht trieben bis sie sich minutenlang unter dem Tresen versteckten weil ihnen so peinlich war, dass sie kein Englisch sprachen und zum anderen die sowohl haptisch (interessantes Leinen-Papier-Klebe-Gefühl) als auch optisch überaus ansprechende Tapete unseres Hotelzimmers (wo wir in Ermangelung eines anderen Angebotes ein Dreibettzimmer gebucht und eines mit einem einzigen 1,20m Bett bekommen hatten – kuschelig :)).

Olkhon-Insel… Wiiiiiilsoooooooon!!!

Auf den Rat eines in Irkutsk lebenden Belgiers hin haben wir spontan beschlossen, die Tagesausflugspläne die wir von Irkutsk aus hatten, zu knicken und stattdessen drei Tage auf die Insel Olkhon zu fahren – die größte und auch einzige bewohnte Insel im Baikalsee (70 km lang, 1500 Bewohner).

Landschaftlich wunderschön hat dieser Ausflug uns auf jeden Fall für Irkutsk entschädigt – touristisch steht die Insel der Stadt leider inzwischen in nichts mehr nach sondern macht ihr ernsthafte Konkurrenz.

Es gibt nur eine Stadt auf der Insel und sonst noch ein paar verstreute Häuser, wenn fünf zusammenstehen, nennt sich das dann „Dorf“.

Auch die Stadt ist überschaubar – durchquert hat man sie in jede Richtung in etwa zehn Minuten zu Fuß. Befestigte Straßen gibt es nicht, aber braune Erdspuren die sich dort durch die Wiesenlandschaft ziehen, wo eben alle Autos sie durchfurchen. UND es gibt keinen Geldautomaten!!! Und das ist quasi ein Wunder, denn die Dinger sind sonst so unglaublich omnipräsent, dass man meinen könnte, Russland besteht aus gar nichts anderem.

Bis vor einigen Jahren gab es hier noch keinen Strom, aber das hat sich geändert. Fließend Wasser ist zwar noch nicht, durch das Naturschutzgebiet, das die Hälfte der Insel ist, rollen aber täglich Dutzende von Minibussen, die Hunderte von Touristen in einer Massenabfertigung von einem Felsen zum nächsten karren, damit jeder mit seinem Lieblingsstein ein wunderbar inszeniertes Selfie für Daheim machen kann.

Abends gibt’s Unterhaltungsprogramm direkt im Guesthouse oder in der Festhalle – ein Zirkuszelt im Rande der Stadt.

Der Baikalsee wirkt eher wie Meer, was bei der Größe nicht verwunderlich ist. Er ist an der tiefsten Stelle ca. 1,6 km tief, 82 km breit und 673 km lang und benimmt sich auch wie ein Meer – Wellen sind möglich und es gibt Sandstrände. Das Wasser ist so klar, dass man an manchen Stellen wohl bis zu 40 Meter tief sehen kann.

Die Insel ist so eine seltsame Mischung aus Unberührtheit und touristischer Überfüllung. Die Zivilisation ist irgendwie nur in Brocken angekommen (im der Stadt Stehen Colakühlschränke, daneben grasende Kühe und nach einer westlichen Toilette sucht man eher vergeblich – übrigens haben wohl sehr viele Menschen nicht die Fähigkeit, ein 60-cm-Loch im Boden zu treffen…). Man kann stundenlang in einem Kleinen Truck darüber holpern (bevor wir hier waren, hatten wir wirklich keine Ahnung, was das Wort Schlagloch bedeutet. Wirklich. Keine.) und sieht Herden von Kühen und Pferden, die mitten im Nichts seelenruhig grasen.

Auch für viele Russen ein Naherholungsgebiet, immer wieder sieht man am Ufer ein aufgeschlagenes Zelt.

Insgesamt also Landwirtschaftlich wirklich wunderschön, die Touristenabfertigung aber mächtig abstoßend. Bleibt zu hoffen, dass das alles so nicht in kürzester Zeit ruiniert wird.

9. Etappe: Irkutsk- das was da auf dem Risikofeld ganz rechts ist… wo sind wir?

Tja, Irkutsk. Hier haben wir zum ersten Mal einen längeren Zwischenstopp eingeplant, nämlich fast eine Woche. Weil es hier so toll sein sollte, man am Baikalsee ist und den ja genießen muss (im Winter Hundeschlitten über den größten See der Welt der trotzdem zufriert, im Sommer baden am Strand).

So weit, so gut – nur, was nirgends stand: Irkutsk liegt leider auf der falschen Seite fürs Baden (weil im Moment = Sommer) und ist vom Prinzip her eine russische Stadt wie andere auch – aber – und jetzt kommt der entscheidende Unterschied: ein paar Touristen haben sie für sich entdeckt. Vor allem chinesische und russische, aber zum ersten Mal seit fast einem Monat sind wir auch wieder Deutschen begegnet, dazu ein paar Spaniern, Südamerikanern, Österreichern, Franzosen, Amerikanern und Niederländern.

Und hier wurde uns auch bewusst, was uns bisher so gut an Russland gefallen hat: die touristische Verschonung.

Durch die Touristenmassen, die in Moskau schon befremdlich waren, hier aber unangenehm sind, gefällt uns die Stadt leider nicht so gut wie sie es sonst vielleicht könnte.

Was wir wiederum interessant finden ist, dass man die Nähe zur Mongolei langsam schon ein bisschen spüren kann, vor allem beim Essen. Oder wir bilden uns die ganze Sache ein und das hat alles nichts miteinander zu tun – aber das werden wir ja alles nächste Woche erfahren :)!

Und noch etwas Verwirrendes… nachdem wir die rote Linie in Jekaterinburg ja schon erfolgreich verfolgt hatten, stießen wir hier auf die… grüne Linie. Und den Eiffelturm. Hm. Das lässt uns ratlos.

8. Etappe: Krasnojarsk… da hat jemand was vor!

Krasnojarsk! Noch nie gehört? Komisch! Diese Kleinstadt im tiefsten Sibirien, in der wir uns gerade befinden (nach einer wirklich furchtbaren Nacht im Zug mit den beiden Betten, die direkt an die Klotür grenzen und damit den Vorteil haben, noch kürzer und schmaler zu sein als ohnehin schon und bezaubernden Bettnachbarn, nämlich einer schlechtgelauten Omi mit ihren zwei insomnischen Enkeln die sie unablässig mit einem ihrer Schlappen – oder wenn sie ihren gerade nicht finden konnte, eben einem von unseren – verdreschen musste), hat nämlich große Pläne!

2019 finden hier nämlich die Winterspiele der Studenten statt, und das scheint eine große Sache zu sein, denn es sieht so aus, als ob momentan die ganze Stadt umgebaut und auf Vordermann gebracht werden würde.

Der Verdacht, der uns schon in anderen – vor allem an der WM beteiligten Städten – beschlichen hatten, erhärtet sich hier: die wahnsinnig sauberen, schönen, glänzenden, neu gepflasterten und bepflanzten Straßen, Plätze und Parks, die so gar nicht so aussehen, wie man sich die ehemalige Sowietunion vorstellt, haben wohl alle eine noch gar nicht so lang zurückliegendene Generalüberholung hinter sich.

Ach ja, apropos Sibirien: hier hat es immer zwischen 20 und 30 Grad, ist super grün und in jeder Stadt werden als Sehenswürdigkeiten die Eisstädte angepriesen – auf jeden Fall ein Grund, die Reise nochmal im Winter zu machen (auch um die Vorstellung, die man so in seinem Köpfchen von Sibirien hat, abzugleichen)!

Blog Special Edition 2: Was uns bisher so auffiel an Russland

Blumenläden. Überall und mit Vorliebe 24 Stunden geöffnet.

LAUTE MUSIK! Lautsprecher auf der Straße, in der Sauna, im Bus mitten im Naturschutzgebiet, im Park, im Restaurant, und meist mit für unsere Ohren echt unpassender, viel zu lauter Musik. Electro-Rave-Geduzze beim Spaghetti essen, Radio Irkutsk wenn man am Zebrastreifen steht, und meist natürlich auch die allgegenwärtige Kinderunterhaltung in der Nähe, die hübsch verkleidet Sachen in ein Mikro brüllt und Kinder mit einem Seil bespaßt (sehr vielfältig, diese Seile).

Du gehst gerne mal an einer Stelle über die Straße an der du das eigentlich nicht darfst? Sehr gut! Da machst du dem russischen Autofahrer eine große Freude! Denn sobald er dich auf der Straße erspäht, wo du nicht hingehörst, steigt er nochmal so richtig aufs Gas! Hui, das macht Spaß, zu sehen, ob man den noch kriegt!

Sushi. Das Sushi ist in Russland angekommen, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern so richtig. Überall gibt es Sushi. Wirklich! Über! All!

Die Speisekarte eines normalen Restaurants besteht aus Salat (Caesar’s Salad, natürlich nicht wie wir ihn kennen, sondern mit einer dicklichen Mayopampe als Sauce, meist griechischem Salat- in der Regel besteht das Dressing hier aus Öl und grünem Pesto – und meistens wars das dann), drei bis vier Pastagerichten, Burgern und Sushi. Allerdings – naja – gut ist anders. Vielleicht nennen wir es eher eine Sushi…..äh…. Variation.

Auch in jedem Supermarkt und an jeder Ecke gibt es ein Kühlregal oder einen kleinen Stand mit Sushivariationen. Neben diesen aufgeführten Essmöglichkeiten und einigen traditionellen russischen Lokalen ist es übrigens schwer, noch anderes zu finden (außer KFC, die scheinen den ehrgeizigen Plan zu haben, hier so groß zu werden wie das Sushi-Imperium).

Outfit. Wer eine Jogginghose trägt hat die Kontrolle über sein Leben verloren? Wow, Karl Lagerfeld, mutig, sich ein paartausend Russen zum Feind zu machen… das sind nämlich die, die dich über den Haufen fahren, wenn du zwei Meter neben dem Zebrastreifen einen Fuß auf die Straße setzt! Ach ja, Frauen bitte je nach Alter hyper aufgestylt oder in 60er-Jahre Manier schön brav oder dann eben ab 38 (Durchschnittsalter in Russland) sofort an den Klamotten als uralt klassifizierbar.

Du sprichst kein Russisch? Egal. Wozu die Ruhe verlieren und die Fremden anbrüllen als wäre man ein alter bayerischer Hinterwäldler? Die Russen sprechen meist auch kein Englisch, aber dafür oft zwei bis vier deutsche Wörter. Freuen sich sehr, diese zu sagen und fahren dann unbeirrt freundlich fort, einem einfach alles auf Russisch zu erzählen. Auch gerne mal 10 Stunden im Zug und öfter mal Witze (so wirkt es zumindest) – und wenn’s dann wirklich mal wichtig ist, eben mit Händen und Füßen!

Kreditkarten – immer, überall, für alles. Auch das Eis vom Stand auf der Straße für umgerechnet 60 Cent. Das schafft natürlich auch einen anderen Bezug zu Bargeld als wir ihn haben – z.B. ist es mitunter sehr schwierig, einen 500-Rubel-Schein loszuwerden (entspricht etwa 6,50€), weil man auf so große Scheine nicht rausgeben kann. Ein normales Abendessen im Restaurant kostet aber trotzdem oft 2000-3000 Rubel – 500 sind also keine abnormal hohe Summe. Wie die Augen sich bei einem 5000er- Schein weiten, brauchen wir wohl hier nicht zu erwähnen. Also – immer schön passend Geld dabei haben. Oder halt gar keins – kam auch schon vor dass nur Kartenzahlung möglich war.

Ach ja, kleiner Nachtrag zum Geld: Rubelscheine gibts ab 10 Rubeln – uns hat auch jemand erzählt, es hätte schonmal 5 gegeben. 10 Rubel sind ungefähr 13 Cent. 1, 2 und 5-Rubel-Stücke existieren natürlich auch noch – was aber wirklich schön ist, sind Kopeken. 10 und 50 konnten wir bisher ergattern, dh wir haben eine Münze mit einem Wert von ca. 0,13 Cent mit der wir absolut gar nichts anfangen können außer sie lieb zu haben.

Hausschuhe. So oft es geht bitte. Kommt man in ein Haus, ein Hotel oder sonst wohin, Schuhe aus, Schlappen an. Am besten nie, niemals eine Gelegenheit auslassen, Pantoffeln zu tragen! Sind allerdings multifunktional und können auch zum verprügeln von Kindern genutzt werden, wie wir neulich im Zug lernen durften.

Vodka ist out, Bier inn und Edelweiß und Kronenbourg sind hierzulande russische Biere. Russland hatte/hat wohl ein relativ großes Alkoholproblem, weshalb Alkohol in der Öffentlichkeit weitestgehend verboten ist und auch nachts nicht mehr verkauft werden darf und wir wurden inzwischen auch schon einige Male nach dem Ausweis gefragt.

Tauben!!!! Diese Viecher sind die unglaublichsten, robustesten Brocken an Dreistigkeit die man sich vorstellen kann. Auch nur einen Schritt zur Seite weichen weil ein Mensch oder ein Auto kommt?! Ha, niemals!!

7. Etappe: Novosibirsk: Eisenbahn!

Nach Omsk stiegen wir in Novosibirsk (morgens um 06:00h) aus dem Zug und hatten einen Moment das Gefühl, an dem Bahnhof angekommen zu sein, an dem wir eingestiegen waren – denn beide teilen sich die wahnsinnig unauffällige Farbe Knalltürkis.

Im Gebäude angekommen entdeckten wir dann aber doch kleine Differenzen (der Bahnhof in Novosibirsk ist riesig und ziemlich schön gestaltet mit einer Armee an Topfpflanzen).

Auch Novosibirsk hatte nach den vergangenen „Dörfern“ wieder etwas mehr cosmopolitischen Wind. Die Stadt an sich ist grau in grau. Noch relativ neu und ein Kind der industriellen Revolution Ende des 19. Jahrhunderts mit Bau der Eisenbahnbrücke hier entstanden, wirken die Leute, die sich hier angesiedelt haben, recht bunt gemischt. Beeindruckend ist die Oper; 2000 Leute finden hier Platz.

Ein Highlight für uns war hier auf jeden Fall unser Hotel: direkt aus der guten, alten, sozialistischen Zeit übernommen, außen grau, innen beige, mit endlos langen Gängen auf zwölf Stockwerken und 1000 Zimmern. Einige davon sind dauerhaft untervermietet, andere von Hotelgästen wie uns bewohnt und in wieder anderen sind kleine Geschäfte: gegenüber auf dem Flur fanden wir ein Nagelstudio, drei Zimmer weiter einen Edelsteinladen, auch sein Make-up konnte man bei uns auf der Etage machen lassen.

Außerdem machten wir in Novosibirsk noch eine Entdeckung, die uns sehr begeisterte und die wir natürlich sofort ausprobieren mussten (denn das Zugfahren kam wirklich zu kurz in letzter Zeit): eine Minitranssibirische Eisenbahn, gebaut um auch Kindern dieses unvergleichliche Zugfahrgefühl zu ermöglichen.

Die Minitranssib tuckert durch einen Park und Jugendliche spielen Schaffner und reißen einem die Fahrkarten ab – herrlich!

Kurz überlegten wir noch, in den Zoo zu gehen, beschlossen dann aber, dieses neu gewonnen Hobby doch lieber wieder zu verwerfen und es durch ein anders zu ersetzen: nochmal Freizeitpark!

6. Etappe: Omsk. Oder: Huch, wo sind wir denn hier gelandet?

Angekommen in Omsk stellten wir fest, dass wir erstmal eine dreiviertel Stunde Busfahrt vor uns hatten, aber nicht etwa unser Hostel war am Arsch der Welt, nein ledeglich der Bahnhof. Das Hostel befand sich mitten im Zentrum. Während der Fahrt konnten wir schon ahnen, was auf uns zukommen wird… nämlich nicht viel. Das Hostel, das diesmal ein MiniHotel Sova (=Eule) war, war bisher mit Abstand das schönste und komfortabelste auf unserer Reise: eine Matratze, die nicht an eine Strohmatte erinnerte und eine funktionierende saubere Dusche. Oksana, die nette und hilfsbereite Rezeptionistin, erklärte uns wir seinen mitten im Zentrum und alles wäre in der Umgebung. Wir sind dann raus um was zu essen zu suchen, fanden gleich die Kathedrale, die einzige Sehenswürdigkeit in Omsk und suchten weiter eine Möglichkeit unseren Hunger zu stillen. Nach längerer Suche fanden wir auch was. Essen zu bestellen gestaltete sich schwieriger als gedacht, da hier nun wirklich kaum einer auch nur ein bisschen Englisch spricht. Erschwerend kam hinzu, dass einige der von uns schwer erlernten russischen Wörter hier wohl einfach ganz andere waren – wahrscheinlich vergleichbar mit deutschem Deutsch und österreichischem Deutsch. Dumm gelaufen. Doch auch diese Aufgabe absolvierten wir meisterlich und bekamen etwas, trotz des ständigen Gekichers des Personals. Kurz im Internet recherchiert was wir noch machen könnten. Außer der Erkenntnis, dass der Großraum Omsk so groß ist wie Belgien, Österreich und die Niederlande zusammen brachte die Recherche Recht wenig. Also entschieden wir uns für den nächsten Tag für das einzig sinnvolle und gingen in einem Aquapark. Aber auch hier hat der Russe sich so manche Hürde für den gemeinen Touristen überlegt. Wie in fast jedem Hostel herrscht auch in einem Schwimmbad Badelatschenpflicht (Flipflops waren natürlich im Hostel im Rucksack, aber Einmalatschen sind käuflich zu erwerben) dann muss man einen Zettel den man nicht versteht unterschreiben (unsere Interpretation: im Falle des Todes selber schuld) und dann erst darf man sich bei der richtigen Kasse anstellen. Aber halt! Wir haben doch nicht vor, unsere Schuhe in der Hand zu tragen?!?! werden wir freundlich von einem Sicherheitsmann gefragt. Das hatten wir natürlich nicht (wir ins ja nicht komplett verrückt!) – also nochmal eine Plastiktüte für die Schuhe gekauft um sie darin 10 Meter zum Spind zu transportieren und los geht der Badespaß. Man duscht mit den Latschen und geht anschließend durch ein Desinfektionsbad für die Füße und stellt dann die Schuhe ab um Barfuß weiter zu gehen, also waren eine Milliarde Schuhe direkt hinter den Duschen zu finden und unsere neuen Latschen waren eine Freude für unsere Füße für ganze fünf Minuten. Es gab mehrere Rutschen. Ein deutscher TÜV-Prüfer würde beim Anblick der Treppen mit Rutschen – oder besser: dem Rost mit Rutschen – einen dreifachen Schlaganfall bekommen, aber das scheint in Russland auch immer Teil des Spaßkonzeptes zu sein, ein bisschen Todesangst gehört dazu. Abends stiegen wir wieder in den Zug um unsere Reise fortzusetzen nach Novosibirsk und endlich endlich trafen wir die im Internet versprochenen Klischeerussen, die uns erst Bier gaben dann im Speisewagen uns zum Vodka trinken einladen wollten. Wir folgten der Einladung, tranken, und am Ende wollte einer der beiden sich mit dem männlichen Teil von uns prügeln (Duell um die Frau), zum Glück war er so betrunken, dass er davor einschlief (Sieg für Deutschland durch technisches KO). Aufregend war es dennoch und hat uns viel Spaß bereitet. Viel Schlaf war es allerdings dann nicht mehr.